Die Nachricht vom Verkaufsende von Power Apps per App klingt endgültig. Für CSP-Kunden kann sie jedoch irreführend sein. Außerdem benötigt jeder App-Nutzer das passende Recht, während Pay-as-you-go monatlich aktive Nutzer zählt. Trennen Sie diese Fragen, bevor Sie eine produktive App umstellen.

Anfang 2026 verbreitete sich in Foren eine einfache Aussage: „Per App ist abgeschafft, alle müssen zu Premium wechseln.“ Die Mitteilung von Microsoft unterscheidet jedoch nach Vertriebskanal. Für Kunden eines Cloud Solution Providers (CSP) gelten andere Regeln als für Neukunden in anderen Programmen. Und die Verfügbarkeit einer SKU sagt noch nichts darüber aus, ob ein App-Pass mehrere Nutzer abdecken darf.

Dieser Leitfaden hilft Administratoren, die Lizenzierung für eine konkrete App, ihre Nutzer und ihre Umgebung zu bestimmen. Weder ein Angebot noch ein vertraglicher Anspruch lässt sich allein aus dem Namen der Lizenz im Admin Center ableiten. Prüfen Sie die genaue SKU und die aktuellen Bedingungen für Ihren Vertriebskanal.

Was hat sich 2026 geändert?

Microsoft hat den Verkauf von Power Apps per App an Neukunden zum 2. Januar 2026 beendet. In einer Klarstellung vom 6. März 2026 heißt es jedoch, dass neue und bestehende CSP-Kunden ihre Per-App-Abonnements weiter kaufen, nutzen und verlängern können. Die vorübergehende Lücke in den CSP-Preislisten sollte Anfang April geschlossen werden. Die pauschale Aussage „Niemand kann Per App mehr kaufen“ ist daher falsch.

Bestehende Kunden mit Enterprise Agreement können die SKU weiter nutzen und verlängern. Bestehende MPSA-Kunden dürfen sie bis zum Ende ihrer laufenden Vereinbarung verwenden; danach beschreibt Microsoft eine Übergangsfrist von 60 Tagen. Neue Angebote dieser SKU sind für sie nicht mehr vorgesehen. Übertragen Sie Regeln nicht von einem Vertriebskanal auf einen anderen. Auch Microsofts Übersicht zur Power-Platform-Lizenzierung weist auf diese Unterschiede hin.

Verfügbarkeit von Power Apps per App nach Vertriebskanal (2026)
KundensituationAussage von MicrosoftVor einer Änderung prüfen
Neukunde außerhalb der CSP-AusnahmeDie Per-App-SKU wird Neukunden nicht mehr angebotenVertriebsprogramm und Alternative
Bestehender Kunde mit Enterprise AgreementNutzung und Verlängerung bleiben möglichVertragslaufzeit und True-up
Bestehender MPSA-KundeNutzung bis zum Ende der laufenden VereinbarungEnddatum und 60-Tage-Übergang
Neuer oder bestehender CSP-KundeKauf, Nutzung und Verlängerung bleiben möglichVerfügbarkeit der SKU beim Partner

Die Tabelle fasst die öffentliche Mitteilung zusammen. Sie ist keine Empfehlung, ohne Kostenvergleich zusätzliche Per-App-Kapazität zu kaufen. Zählen Sie zuerst die betroffenen Nutzer und Apps.

Per App ist keine Lizenz für alle Nutzer einer App

Per-App-Pässe werden einer Umgebung als Kapazität zugewiesen. Das Nutzungsrecht wird aber von einem bestimmten Nutzer für eine bestimmte App verbraucht. Microsoft beschreibt die Zuweisung und den Verbrauch von App-Pässen beim Teilen einer App. Ein Pass wird nicht frei, sobald jemand das Browserfenster schließt. Jeder Nutzer benötigt das passende Recht.

Ein häufiger Test führt deshalb in die Irre: Wenn mehrere Personen eine App nacheinander öffnen können, beweist das nicht, dass ein einziger Pass genügt. Eine verzögerte oder weniger strenge technische Kontrolle ändert die Lizenzbedingungen nicht. Planen Sie nach Nutzern, Apps und Umgebungen – nicht nach gleichzeitig geöffneten Sitzungen.

Ein Per-App-Pass wird einem Nutzer nicht wie eine normale Benutzerlizenz im Microsoft 365 Admin Center zugewiesen. Administratoren ordnen die Kapazität einer Umgebung im Power Platform Admin Center zu und aktivieren die Per-App-Nutzung für die App. Prüfen Sie bei Problemen sowohl Zuweisung und Verbrauch in der Umgebung als auch die Benutzerlizenzen.

So funktioniert Pay-as-you-go

Bei Power Apps Pay-as-you-go (PAYG) wird die Nutzung über ein verknüpftes Azure-Abonnement abgerechnet. Die Power-Apps-Per-App-Messgröße zählt eindeutige aktive Nutzer je App und Kalendermonat. Wer dieselbe App mehrfach öffnet, zählt in diesem Monat nur einmal. Wer zwei verschiedene gemessene Apps öffnet, zählt für jede App. Abgerechnet wird weder pro Klick noch pro gleichzeitiger Sitzung.

PAYG ist nicht automatisch die günstigste Lösung. Es kann passen, wenn die Nutzung von Monat zu Monat schwankt oder nur ein kleiner Teil einer größeren Gruppe die App öffnet. Für eine feste Gruppe mit mehreren Premium-Apps kann Power Apps Premium pro Nutzer geeigneter sein. Vergleichen Sie monatlich aktive Nutzer je App, Ihre Vertragspreise und zusätzliche Kapazitätskosten. Die Zahl aller Personen, mit denen die App geteilt wurde, ist dafür kein Ersatz.

Achten Sie auf die Grenze der Umgebung. Laut Microsofts PAYG-FAQ können in derselben Umgebung nicht einige Apps per PAYG abgerechnet werden, während andere weiter Per-App-Pässe verbrauchen. Nutzer mit einer passenden Power-Apps-Lizenz pro Nutzer werden im Per-App-Zähler nicht erfasst. Bei Apps mit Standardkonnektoren können zudem Rechte aus Microsoft 365 greifen. Prüfen Sie daher Konnektoren, Umgebung und vorhandene Lizenzen.

Microsoft 365 deckt nicht jede Power Apps-App ab

Microsoft 365 Business Premium oder E3 berechtigt einen Nutzer nicht automatisch zum Betrieb jeder Power Apps-App. Standardszenarien können durch Microsoft 365 abgedeckt sein. Premium-Konnektoren, Dataverse, lokale Datengateways und benutzerdefinierte APIs können zusätzliche Rechte erfordern. Die Lizenzierungs-FAQ von Microsoft empfiehlt, die Lizenzkennzeichnung und den Nutzungskontext der App zu prüfen.

Für manche ältere Apps mit später neu klassifizierten Konnektoren können Übergangsregeln gelten. Für neue Apps ist das keine allgemeine Ausnahme. Erfassen Sie für jede produktive App Konnektoren, Typ, Umgebung, Nutzer und mögliche historische Sonderfälle. Ruft die App einen Power-Automate-Flow auf, prüfen Sie auch dessen Rechte und die Verbindung zur App. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Power-Automate-Lizenzierung.

Was ändert sich im Februar 2027?

Ab Februar 2027 will Microsoft bestehende Anforderungen an Premium-Lizenzen in bisher weniger streng geprüften Szenarien konsequenter durchsetzen. Die aktuelle FAQ nennt insbesondere verwaltete Umgebungen, modellgesteuerte Apps und Apps außerhalb des jeweiligen Dynamics-365-Kontexts. Nutzer ohne erforderliches Recht können dann vom Zugriff ausgeschlossen werden.

Es handelt sich um die Durchsetzung bestehender Rechte, nicht um eine neue „Lizenz 2027“. Dass eine App heute funktioniert, belegt nicht, dass derselbe Zugriff nächstes Jahr möglich bleibt. Planen Sie frühzeitig, aber setzen Sie nicht voraus, dass automatisch jede App im Tenant Power Apps Premium benötigt. App-Typ und Nutzungskontext sind entscheidend.

Prüfungen vor der Bestellung

Analystin sortiert Unterlagen für ein Inventar von Unternehmens-Apps
  1. Apps erfassen. Notieren Sie Umgebung, App-Typ, Konnektoren, Dataverse, zugehörige Flows und Verantwortliche.
  2. Nutzer gruppieren. Unterscheiden Sie vorhandene Premium-Rechte, regelmäßige und gelegentliche Nutzung.
  3. Vertriebskanal klären. Für CSP, Enterprise Agreement und MPSA gelten nach der Mitteilung von 2026 unterschiedliche Regeln.
  4. Kapazität prüfen. Kontrollieren Sie Umgebung, Zuweisung und Verbrauch der Pässe – nicht nur die Benutzerlizenzen.
  5. Varianten kalkulieren. Vergleichen Sie Per App, PAYG und Premium anhand monatlich aktiver Nutzer je App und Ihrer Vertragspreise.
  6. Zugriff testen. Prüfen Sie die Rechte mit echten Rollen und Umgebungen, bevor strengere Kontrollen greifen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Power Apps per App für alle Kunden weggefallen?

Nein. Microsoft beendete den Verkauf an Neukunden zum 2. Januar 2026, nahm jedoch neue und bestehende CSP-Kunden ausdrücklich aus. Sie dürfen Per App weiter kaufen, nutzen und verlängern. Für andere Vertriebskanäle gelten andere Regeln.

Dürfen mehrere Personen einen Pass nacheinander verwenden?

Ein solches übertragbares Nutzungsrecht beschreibt Microsoft nicht. Ein Pass in einer Umgebung deckt das Recht eines Nutzers für eine App ab. Technischer Zugriff im Test ist keine Lizenzausnahme.

Wird bei PAYG jeder App-Start berechnet?

Nein. Der Per-App-Zähler erfasst eindeutige aktive Nutzer je App und Monat. Wiederholtes Öffnen derselben App zählt für diese Person im selben Monat nicht erneut.

Reicht Business Premium für eine modellgesteuerte App?

Das lässt sich nicht allein aus dem Namen des Microsoft-365-Plans ableiten. Modellgesteuerte Apps nutzen Dataverse und benötigen im Regelfall passende Power-Apps-Premium-Rechte oder einen anderen konkreten Anspruch laut Lizenzierungsleitfaden.

Müssen wir wegen Februar 2027 zu PAYG wechseln?

Nein. Prüfen Sie zuerst, welche Apps und Nutzer Premium-Rechte benötigen, welche Rechte bereits bestehen und wie häufig die Apps genutzt werden. PAYG ist eine Option, keine Pflichtumstellung.

In welcher Reihenfolge Sie entscheiden sollten

Trennen Sie die Verfügbarkeit der SKU in Ihrem Vertriebskanal, das Recht jedes Nutzers und die Abrechnung der Nutzung. Erst danach vergleichen Sie Per App, PAYG und Premium. Eine belastbare Entscheidung beruht auf einem Inventar der tatsächlich genutzten Apps und Nutzer sowie den aktuellen Microsoft-Regeln.